Für Frauen gehört das zum Alltag: Der Monatszyklus schreitet voran, und eine oder beide Brüste beginnen zu spannen oder zu schmerzen. Sie fühlen sich geschwollen und härter an als an den Tagen zuvor, vielleicht auch knotiger, vor allem oben außen. Nach Einsetzen der Regelblutung entspannt sich alles wieder.
Etwas ganz anderes ist es, wenn eine Frau plötzlich einen Knoten oder eine Schwellung in der Brust entdeckt. Oft passiert es zufällig, etwa bei der Körperpflege, oder die Frau stößt bei der Selbstuntersuchung darauf. Frauen, die ihre Brüste von Zeit zu Zeit bewusst abtasten, entwickeln meist ein recht gutes Gefühl für das Gewebe und sein zyklisches Auf und Ab. Daher fällt ihnen eine ungewohnte Veränderung oft leichter auf. Umso heftiger ist der Schrecken, wenn der „Angstfaktor Knoten“ tatsächlich eintritt.
Wichtig: Ein Knoten bedeutet nicht automatisch Brustkrebs. Fakt ist vielmehr:
Übrigens: Auch bei Männern kann sich – sehr selten – ein Knoten in der Brust bilden. Die Brustdrüsen sind bei ihnen im Vergleich zur Frau „unterentwickelt“, aber von der Anlage her gleich. Schwillt die Brust auf einer Seite an oder weist sie einen Knoten auf, so kann das auch beim Mann eine gut- wie bösartige Ursache haben. Nur von hundert an Brustkrebs erkrankten Patienten ist einer ein Mann. Leider wird bei Männern die Diagnose „Brustkrebs“ tendenziell verspätet gestellt. Dazu könnte beitragen, dass Männer im Gegensatz zu vielen Frauen naturgemäß kein Problembewusstsein hinsichtlich der Brüste haben. Vielmehr scheint es so zu sein, dass männliche Betroffene einen auffälligen Befund verdrängen oder, falls sie überhaupt in Erwägung ziehen, dass es Brustkrebs sein könnte, sich vor der mutmaßlichen „Frauenkrankheit“ schämen und Hemmungen haben, damit zum Arzt zu gehen.
Folgende Veränderungen können die Ursache für einen oder oder mehrere tastbare Knoten oder eine Schwellung in der Brust sein:
Lipom
Adenom
Adenom der Brustwarze
Adenose
Adenomyoepitheliom
Hamartom
Papillom
Phylloides-Tumor
Die Diagnose beruht auf der körperlichen, bildgebenden, oft auch feingeweblichen Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie). Die weitere Therapie hängt von der genauen Diagnose ab. Die Behandlung reicht, grob skizziert, von abwartendem Beobachten und Kontrollieren über eine Punktion, zum Beispiel bei einer Zyste, bis zur Entfernung der Geschwulst (therapeutische Exzisionsbiopsie) oder eines Anteils der Brust (Segmentresektion, brusterhaltende Operation). Kleinere Veränderungen können oft schon mittels der modernen Biopsietechnik vollständig eliminiert werden. Eventuell ist nach der Operation eine zusätzliche Behandlung nötig, zum Beispiel eine Strahlentherapie. Dies gilt vor allem für Brustkrebs, wenn er brusterhaltend operiert wurde (manchmal auch nach Entfernung der Brust), sowie im Einzelfall für eine Krebsvorstufe namens Duktales Carcinoma in situ (DCIS). Bei Brustkrebs ist oft noch eine ergänzende Anti-Hormon-Behandlung, eine Chemotherapie, eventuell zusätzlich auch eine Antikörper-Therapie nötig. Manchmal ist es jedoch unvermeidlich, die Brust als Ganzes wegzunehmen. Alles Gewebe, das entfernt wird, wird anschließend sorgfältig unter dem Mikroskop untersucht.
In diesem Beitrag geht es vor allem um Knoten in der Brust, die tastbar und somit, ebenso wie Schwellungen, ein Symptom sind. Nochmals: Vier von fünf biopsierten Knoten sind gutartig, und auf gutartigen Veränderungen liegt auch der Schwerpunkt dieses Artikels. Oft ist allerdings auch von „Knoten“ die Rede bei Befunden, die nur bei der bildgebenden Diagnostik der Brust auffallen, egal, ob sie letztlich gut- oder bösartig sind. Ein anderer Begriff, der in diesem Zusammenang häufiger gebraucht wird, ist „Tumor“. Damit ist lediglich gemeint, dass es sich um eine Geschwulst handelt. Tumoren können gut- oder bösartig sein oder, wie zuvor schon erwähnt, zwischen „Gut“ und „Böse“ stehen.
Über Brustkrebs, der heute zunehmend in einem frühen Stadium und keineswegs immer als tastbarer Knoten entdeckt wird, informiert Sie ein eigener Text (siehe unter Brustkrebs). Darin kommen auch Veränderungen, die ein erhöhtes Brustkrebsrisiko anzeigen, nämlich die schon erwähnten Risikoindikatoren wie die atypische duktale Hyperplasie (ADH) in Milchgängen und die lobuläre Neoplasie (LN) in Drüsenläppchen, ferner die Krebsvorstufe DCIS zur Sprache. Sie können zwar auch in Biopsien aus tastbaren Befunden festgestellt werden. Oft fallen sie aber zunächst nur in bildgebenden Verfahren der Brust auf, zum Beispiel beim Mammografie-Screening, also den Röntgen-Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs.
Im nächsten Kapitel wird das Brustgewebe, und wie es sich anfühlt, etwas näher unter die Lupe genommen. Die weiteren Kapitel gehen dann noch genauer auf die oben gelisteten Brusterkrankungen ein.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 25.04.2012
Bildnachweis: W&B/Martin Ley
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